Die Charente-Maritime ist bekannt als ein Land der Geschichte mit großem H. Ihr vielfältiges Erbe steht Campern offen. Von Saint-Jean d’Angle bis Trizay verbrachten wir den Tag inmitten der Überreste einer glorreichen und beliebten Epoche, die die Fantasie beflügelt: dem Mittelalter!
„Schatz, heute geht’s ins Jahr 1192!“ Nein, das ist kein Remake des Kultfilms „Die Besucher“. Nein, das ist keine Reise in die virtuelle Realität. Nein, es ist auch nicht die neue Erfolgsserie von Netflix oder die neue angesagte Reality-Show. Heute nutzen wir unsere Ferien in der Charente-Maritime, um uns einen Spaziergang durch die Zeit zu gönnen. Hört, hört, ihr lieben Leute, Edeldamen und Edelmänner, wir begeben uns auf den Weg ins Mittelalter, ins Herz der Ebenen der Saintonge!
Für dieses neue Abenteuer geht es zur Festung Saint-Jean d’Angle, die ideal zwischen Royan, Rochefort und der Insel Oléron liegt und als historisches Denkmal klassifiziert ist. In diesem charmanten Dorf der Saintonge verbirgt sich ein kleines Juwel, eine prächtige mittelalterliche Festungsanlage aus dem 12. Jahrhundert, die von einer passionierten Familie vollständig restauriert wurde. Die Festung Saint-Jean d’Angle gehörte damals der Familie Lusignan, einer illustren Linie, die immerhin die Titel der Könige von Jerusalem und Zypern trug! Als uneinnehmbar bekannt, verteidigte die Festung damals die umliegenden Salzwiesen und das „weiße Gold“, den Reichtum des damaligen Herrn!


Der einzige Mittelalter-Freizeitpark in der Charente-Maritime
Diese Geschichte habe ich nicht in Büchern über die Charentes gelernt, sondern direkt aus den Worten der Eheleute Rousselot, den passionierten Besitzern. Denn die Festung Saint-Jean d’Angle ist in der Tat nicht nur ein einfaches Überbleibsel, das man schnell besichtigt. Es ist ein echter Freizeitpark für Groß und Klein zum Thema Mittelalter. Man kann dort bis zu 3 Stunden verbringen, ohne dass die Zeit vergeht. Man muss sagen, dass die Aktivitäten zahlreich, spielerisch und für die ganze Familie zugänglich sind. Gleich am Eingang wird der Ton angegeben: „Wenn ihr euch als Ritter der Tafelrunde verkleiden wollt, geht es sofort nach rechts.“ Keine Zeit zu verlieren, in weniger als einer Minute war ich in einen tapferen Diener verwandelt, nichts weniger!
Nach einer beeindruckenden Vorführung eines englischen Trebuchets streiften wir durch die verschiedenen Interpretationsbereiche. Der Auftritt der feudalen Truppe Occitana verleiht dem Ganzen Charme. Man kann echte Waffen aus der Epoche sehen, einen Workshop zum Münzprägen, all das erklärt von perfekt verkleideten Enthusiasten. Aber wir sind hier entschlossen, mit einer Quest im Kopf, unserem absoluten Gral: das große Rätselspiel der Festung zu beenden! Frage für Frage entdecken wir dann das Leben dieser Epoche dank leicht verständlicher Erklärungstafeln. Mehrere Neuheiten bereichern die Anlage: ein Labyrinth, eine Motte (Turmhügelburg), ein Barfuß-Sinnespfad… wir merken nicht, wie die Stunden vergehen, und die Erfahrung ist bereichernd. Nach einem kurzen Abstecher in den Laden („Bitte, Schatz, ich möchte ein Schwert kaufen!“), machen wir uns mit unserem stählernen Ross auf den Weg, um gut zu speisen und dann eine andere Atmosphäre zu erleben: das Leben der Mönche in Trizay, immer noch im Mittelalter …
Völlige Abwechslung in den Gärten von Compostela
Im Herzen der Charente-Maritime, zwischen Feldern und Wäldern, stehen wir vor der romanischen Abtei von Trizay, die sich hier inmitten der Landschaft der Saintonge erhebt und uns beweist, dass das ländliche Leben der damaligen Zeit bereits von großem Reichtum war. Dieses Benediktinerpriorat wurde im 11. Jahrhundert gegründet. In den 1990er Jahren prächtig restauriert, beherbergt dieser architektonische Komplex heute ein renommiertes Zentrum für zeitgenössische Kunst. Die ehemalige Apsis der Kirche, der Kapitelsaal mit seinen Gewölben, der Schlafsaal, das Refektorium sind allesamt bewegende Spuren des damaligen Mönchslebens in der Abtei von Trizay. Man spürt übrigens immer noch eine gewisse Gelassenheit in ihren Mauern. Die Besichtigung erfolgt in Stille, nur die Stimme der Führerin wiegt uns ein und erzählt vom Alltag dieser Männer des Glaubens. Wir nutzen auch die aktuelle Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit Werken eines renommierten und talentierten Künstlers.
Bevor wir zu unserem Campingplatz zurückkehren, beschließen wir, die Gärten von Compostela zu besuchen, die nur einen Kilometer von der Abtei entfernt am Ufer des Lac du Bois Fleuri in Trizay liegen. Dieser Blumenpark ehrt die Pilger, die nach Galicien reisen. Übrigens wurde uns gesagt, dass die Jakobswege von Compostela zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, insbesondere die Kirche von Aulnay de Saintonge. Na, da riecht es ja nach einem zukünftigen Blogartikel!
Zurück zu unserem Thema: die Gärten von Compostela. Mit einem Wort: eine andere Welt. Die hispano-maurische Architektur entführt uns durch die Pracht des Mittelmeers: Olivenhaine, Rosengärten, Wasserspiele… für einen Moment stellen wir uns vor, in Sevilla, Granada oder Córdoba zu sein. Ein kurzer Spaziergang, der sich lohnt, und das alles für ein paar Euro.
Die drei besuchten Orte gehören zum Netzwerk der „Historischen Route der Schätze von Aunis und Saintonge“, die fast dreißig Stätten in der Charente-Maritime vereint. Dieser Tag bot uns eine willkommene Zeitreise. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir bald die anderen Schönheiten des Netzwerks besuchen werden, um euch die größten Legenden unserer Gegenden zu erzählen.